Karl Kautsky

Krisentheorien

2. Die fallende Profitrate

Tugan Baranowsky ist Anhänger der Marxschen Werththeorie, aber Gegner seiner Theorie vom Mehrwert. Diese scheint ihm unhaltbar, da er das aus ihr folgende Gesetz des tendenziellen Falles der Profitrate für falsch hält.

Bekanntlich unterscheiden sich die Rate des Mehrwerts und die des Profits dadurch, dass dieselbe Masse von Mehrwert zur Gewinnung der ersteren Rate verglichen wird mit der Menge von Lohnkapital, die bei der Produktion dieser Mehrwertsmasse verausgabt wurde, im zweiten Falle mit der Summe des gesamten Kapitals, die der Kapitalist zur Erzielung der fraglichen Mehrwertssumme auszulegen hatte, nicht bloß in Löhnen, sondern auch in Gebäuden, Maschinen, Rohstoffen u. s. w. Und zwar ist es bei der Berechnung der Profitrate die im Laufe eines Jahres gewonnene Mehrwertssumme, die mit der Summe des angewandten Gesamtkapitals verglichen wird. Nehmen wir etwa an, die Jahressumme des Mehrwerts betrage 100.000 (etwa Mark); die für Löhne verausgabte Kapitalsumme ebenfalls 100.000, die Summe des gesamten Kapitals aber 500.000, so beträgt die Mehrwertsrate 100 Prozent, die Profitrate 20 Prozent. Bei gleichbleibender Mehrwertsrate wird also die Profitrate umso kleiner, je größer im Verhältnis zum Lohnkapital die Gesamtmasse des Kapitals, das heißt, je größer der Wert von Gebäuden, Maschinen, Rohstoffen pro Arbeiter im kapitalistischen Betrieb. Wir nahmen eben an, dass auf ein Lohnkapital (Marx nennt es variables) von 100.000 ein Kapital an Produktionsmitteln (Marx nennt es konstantes) von 400.000 kommt. Wäre das letztere Kapital kleiner, etwa 300.000, so betrüge das Gesamtkapital bloß 400.000, die Profitrate unter sonst gleichen Umständen wäre also 25 Prozent, nicht 20 Prozent, sie stünde höher. Beliefe sich das konstante Kapital auf 500.000, das Gesamtkapital also auf 600.000, so wäre die Profitrate, bei gleichbleibender Mehrwertrate, auf 16,6 Prozent gefallen.

Es ist aber bekannt, dass die kapitalistische Produktionsweise die Tendenz hat, die Masse des konstanten Kapitals im Verhältnis zum variablen immer mehr zu erhöhen; der technische Fortschritt und die Konkurrenz führen dahin, dass der Umfang der stehenden Produktionsmittel immer gewaltiger wird und die Masse der Rohstoffe, die sie verarbeiten, immer größer, während die Zahl der beschäftigten Arbeiter in einem viel langsameren Tempo wächst.

Daher, schließt Marx, hat die Profitrate die Tendenz, zu fallen.

Diesen Schluss erklärt Tugan für unhaltbar und zwar erscheint ihm seine Unhaltbarkeit „handgreiflich“. Denn:

„Es wird dabei von der Einwirkung der Steigerung der Produktivität der Arbeit auf den Wert der Arbeitsprodukte vollkommen abgesehen. Die Ersetzung der Arbeiter durch Maschinen muss aber die Produktivität der Arbeit steigern. Der Arbeitswert jeder bestimmten Menge des Produktes muss sinken.“

Die Reallöhne werden nicht steigen, der Wert der Arbeitskraft wird sinken, die Rate des Mehrwerts, die Ausbeutung der Arbeit, also zunehmen. Da aber alle Produkte im Werte sinken, muss auch der Wert des konstanten Kapitals zurückgehen.

„Alle diese Einwirkungen der Erhöhung der Produktivität der Arbeit auf den Wert des Kapitals berücksichtigt Marx gar nicht. ... Eine richtige Lösung des gegebenen Problems ist also nicht so einfach, wie sie Marx annimmt.“ (S. 210, 211)

Tugan sucht sie auf eine eigenartige Weise zu erreichen, indem er neben den Massen der Werte, also populär gesprochen, den Geldsummen, auch die Massen der Gebrauchswerte, der Produkte, die sie repräsentieren, in Rechnung zieht. Diese wird dadurch ungemein kompliziert und verworren. Es ist ja klar, dass man wohl Geldsummen, respektive Preise, nicht aber Produkte verschiedener Art einander gleichsetzen kann. Ich kann 5 Mark mit 10 Mark vergleichen, nicht aber 5 Äpfel etwa mit 10 Handschuhen. Wir dürfen es uns und unseren Lesern umso mehr ersparen, Tugans Spuren hier zu folgen, weil wir seinen Gedankengang viel einfacher darstellen können, wenn wir bei den Werthen bleiben und von den Gebrauchswerten absehen. Tugan führt uns zuerst eine Wirtschaft vor, in der das gesamte Kapital variables ist, Lohnkapital, in dem also die Arbeiter ohne Werkzeuge und Maschinen und ohne Vorräte irgendwelcher Art produzieren. Seine Formel Nr. I kann man populär folgendermaßen darstellen:

100.000 Mark Lohnkapital, 100.000 Mark Gesamtkapital.

100.000 Mark Mehrwert.

Profitrate wie Mehrwertrate = 100 Prozent.

Nun ändert sich die Sache. Maschinen werden eingeführt, welche

„eine Hälfte der Arbeiter ersetzen; eine Hälfte des variablen Kapitals verwandelt sich in konstantes. Wir können der Einfachheit halber annehmen, dass diese Maschinen sich ebenso umsetzen wie das variable Kapital. ... Das unter den neuen technischen Bedingungen erzeugte Produkt kann bei dieser Voraussetzung nicht abnehmen, sonst hätte es keinen ökonomischen Sinn, die Handarbeit durch Maschinenarbeit zu ersetzen. Wir müssen also annehmen, dass das Mehrprodukt, wegen der Einführung der Maschinen, nicht abgenommen hat.“ (S. 212).

Bei gleichbleibenden Werthen erhielten wir also folgende Formel Nr. II:

50.000 Mark Produktionsmittel, 50,000 Mark Lohn. Gesamtkapital 100.000 Mark.

100.000 Mark Mehrwert.

Profitrate 100 Prozent. Mehrwertsrate 200 Prozent.

Nun aber bewirkt die Einführung der Maschine eine Erhöhung der Produktivität der Arbeit, also ein entsprechendes Sinken der Werte der Waren. So kommen wir zu einer Formel Nr. III:

33.333 Mark Produktionsmittel, 33.333 Mark Lohn, Gesamtkapital 66.666 Mark.

66.666 Mark Mehrwert.

Profitrate 100 Prozent, Mehrwertrate 200 Prozent.

„Also“, fährt Tugan fort, „die relative Abnahme des variablen Kapitals, wovon jede Vervollkommnung der Technik begleitet wird, gelangt in der Veränderung der Masse und Rate nur des Mehrwerts, nicht aber des Profits zum Ausdruck.“

Aber dabei ist die Annahme, von der Tugan ausging, noch zu günstig für Marx,

„wir haben nämlich vorausgesetzt, dass die Einführung der Maschine die Masse des gesellschaftlichen Produktes nicht erhöht. In der Wirklichkeit nimmt jedoch unter diesen Bedingungen die Gesamtmasse des Produktes sehr stark zu. Die Steigerung der Produktivität der Arbeit ist also bedeutend größer, als wir es angenommen haben. Daher bedürfen unsere Schlussfolgerungen folgende Modifikation: wir sind zu dem Schlusse gekommen, dass die Ersetzung der Handarbeit durch die Maschinenarbeit die Profitrate nicht verringert. Das wäre richtig unter der Voraussetzung, dass die Einführung der Maschinen keinen Zuwachs der Produktenmasse hervorruft. Da aber tatsächlich die Maschinenarbeit größere Produktenmassen als die Handarbeit erzeugt, so muss die Profitrate in Folge des relativen Steigens des konstanten Kapitals zunehmen. Also gerade das Gegenteil zur Marxschen Theorie. Auf Grund der Arbeitswerttheorie gelangen wir zur Schlussfolgerung, dass die Ersetzung der Arbeiter durch die Maschinen an und für sich nicht nur keine fallende, sondern vielmehr eine steigende Tendenz der Profitrate erzeugt.“ (S. 215)

Man sieht, wie Tugan sagt, „die richtige Lösung des gegebenen Problems ist nicht so einfach, wie Marx annimmt“. Wie Marx annimmt? Oder Tugan?

Es ist zunächst ganz falsch, wenn dieser behauptet, Marx berücksichtige gar nicht die Einwirkungen der Erhöhung der Produktivität der Arbeit auf den Wert des Kapitals. Im dritten Bande des „Kapital“ beginnt das 14. Kapitel mit den Worten:

„Wenn man die enorme Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit selbst nur in den letzten dreißig Jahren, verglichen mit allen früheren Perioden, betrachtet, wenn man namentlich die enorme Masse von fixem Kapital betrachtet, das außer der eigentlichen Maschinerie in die Gesamtheit des gesellschaftlichen Produktionsprozesses eingeht, so tritt an die Stelle der Schwierigkeit, welche die Ökonomen bisher beschäftigt hat, nämlich den Fall der Profitrate zu erklären, die umgekehrte, nämlich zu erklären, warum dieser Fall nicht größer oder rascher ist? Es müssen gegenwirkende Einflüsse im Spiele sein, welche die Wirkung des allgemeinen Gesetzes durchkreuzen und aufheben und ihm nur den Charakter einer Tendenz geben, weshalb wir auch den Fall der allgemeinen Profitrate nur als einen tendenziellen Fall bezeichnet haben.“

Als die allgemeinsten dieser Ursachen bezeichnet Marx: 1. Die Erhöhung des Ausbeutungsgrads der Arbeit. 2. Herunterdrücken des Arbeitslohns unter seinen Wert. 3. Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals. 4. Die relative Übervölkerung. 5. Den auswärtigen Handel. 6. Die Zunahme des Aktienkapitals.

Auf S. 201 seines Buches weist Tugan selbst darauf hin, dass Marx diese Gegenwirkungen gegen den tendenziellen Fall der Profitrate erkannt, auf S. 211 wirkt er ihm vor, er habe die Wirkungen der steigenden Produktivität der Arbeit auf das Kapital gar nicht in Betracht gezogen und sich die Lösung des Problems überhaupt zu einfach vorgestellt. Tatsächlich hat Marx in den Punkten 1 und 3 Tugans Einwände, soweit sie berechtigt, vollständig vorweggenommen. Notabene, Tugan zitiert Punkt 1 falsch, wenn er ihn mit den Worten wiedergibt: „1. Erhöhung des Exploitationsgrads der Arbeit durch Verlängerung des Arbeitstags und Intensifikation der Arbeit.“ Marx zieht ausdrücklich nicht bloß den absoluten, sondern auch den relativen Mehrwert, also Erhöhung der Ausbeutung durch Verringerung des Wertes der Arbeitskraft, in Betracht, mithin gerade jene Seite, auf die Tugan Gewicht legt.

Aber freilich, Marx betrachtet diese Faktoren nur als Hemmungen des tendenziellen Falles der Profitrate, Tugan glaubt, aus ihnen ein Gesetz des tendenziellen Steigens der Profitrate ableiten zu können.

Und in der Tat, aus den Formeln II und III geht ein Gleichbleiben der Profitrate hervor. Was folgt jedoch daraus? Zunächst nichts anderes, als dass die Profitrate dort nicht fällt, wo die von Tugan angenommenen Voraussetzungen eintreffen.

Welches sind aber diese Voraussetzungen?

Einmal die, dass die Ausbeutung der Arbeiter nicht bloß steigt, sondern in demselben Maße steigt, wie die Produktivität der Arbeit, dass also die Kapitalistenklasse nicht bloß einen stets wachsenden Antheil an allen Fortschritten der Produktivität einheimst, sondern dass sie diese ausschließlich, ganz und gar, allein in Beschlag nimmt. Weder Marx noch einem der „orthodoxen“ Marxisten wäre es je eingefallen, eine derartige Annahme zu machen. Die Revisionisten behaupten sonst im Gegenteil, dass sogar die Ausbeutung der Arbeiter abnehme, ihr Antheil an der steigenden Produktivität rascher wachse, als der der Kapitalisten. Wir überlassen Tugan in diesem Punkte dem rächenden Stahl seiner kritischen Revisionsgenossen.

Aber die Annahme einer derartig wachsenden Ausbeutung des Arbeiters würde allein noch nicht genügen, die Profitrate auf ihrem alten Stande beharren zu lassen. Es muss sich noch eine andere Annahme dazu gesellen: dass der Wert des konstanten Kapitals, der Produktionsmittel, nie mehr beträgt als die jährliche Lohnsumme der dadurch ersetzten Arbeiter. Nach der Annahme Tugans verdoppeln die neuen Maschinen die Produktivität der Arbeit; ihr Preis ist aber gleich der Summe der Jahreslöhne der bei ihnen beschäftigten Arbeiter. Stiege ihr Preis über diese Grenze hinaus, so müsste auch nach der Tuganschen Formel II die Profitrate fallen, selbst wenn die Ausbeutung der Arbeiter ebenso rasch zunähme, wie die Produktivität der Arbeit.

Vergleichen wir die Tuganschen Formeln nach den früheren Voraussetzungen mit der Gestalt, die sie unter Voraussetzungen annehmen, die der Wirklichkeit eher entsprechen:

Formel I:

Lohnkapital . . . . . . 100.000 Mark

Gesamtkapital . . . . . 100.000 Mark

Mehrwert . . . . . . 100.000 Mark

Mehrwertsrate 100 Prozent. Profitrate 100 Prozent.
 

Formel II
(nach der Voraussetzung Tugans):

Konstantes Kapital . . . . 50.000 Mark

Variables Kapital . . . . 50.000 Mark

Gesamtkapital . . . . . 100.000 Mark

Mehrwert . . . . . . 100.000 Mark

Mehrwertrate 200 Prozent. Profitrate 100 Prozent.
 

Formel II
(unter der Voraussetzung, das konstante Kapital betrage mehr als
der jährliche Arbeitslohn der dadurch freigesetzten Arbeiter):

Konstantes Kapital . . . . 60.000 Mark

Variables Kapital . . . . 50.000 Mark

Mehrwert . . . . . . 100.000 Mark

Mehrwertrate 200 Prozent. Profitrate 90 Prozent.
 

Formel II
(unter der Voraussetzung, die Ausbeutung der Arbeiter wachse
nicht in dem Maße wie die Produktivität der Arbeit):

Konstantes Kapital . . . . 50.000 Mark

Variables Kapital . . . . 60.000 Mark

Mehrwert . . . . . . 100.000 Mark

Mehrwertrate 166 Prozent. Profitrate 90 Prozent.

In beiden Fällen sinkt die Profitrate.

Wir sehen, das Beharren der Profitrate auf der alten Höhe bewegt sich innerhalb sehr enger Grenzen. Jedes Zurückbleiben des Wachstums der Ausbeutung der Arbeiter hinter der Zunahme der Produktivität ihrer Arbeit, jedes Wachstum des Wertes des konstanten Kapitals über das Maß der dadurch ersparten jährlichen Lohnsumme hinaus muss zum Falle der Profitrate führen. Je mehr aber das fixe Kapital überwiegt (Gebäulichkeiten, Maschinen und dergleichen), das eine längere Lebensdauer hat und nicht in einem Jahre umgesetzt wird, umso mehr strebt der Wert des konstanten Kapitals über die in der Tuganschen Voraussetzung gezogene Grenze hinaus, umso eher muss sich das Gesetz der fallenden Profitrate geltend machen.

Die Tugansche Rechnung beweist also bisher bloß, dass es Fälle geben kann, in denen dies Gesetz durch starke Gegenwirkungen aufgehoben wird, was Marx bereits sehr wohl wusste, nicht aber, dass es nicht wirkt.

Indes haben wir noch einen Faktor dieser Rechnung zu berücksichtigen, auf den Tugan viel Gewicht legt. In Folge der Zunahme der Produktivität der Arbeit fällt der Werth des Kapitals, sowohl des konstanten wie des variablen. Auch dadurch soll die Profitrate erhöht werden. Wie uns aber eine Vergleichung der Formel III mit der Formel II zeigt, tritt nichts der Art ein. Profitrate und Mehrwertrate bleiben dieselben in Formel III wie in Formel II. Und das ist ganz selbstverständlich. Wenn die Preise aller Waren gleichmäßig sinken, dann ändert sich in ihren Verhältnissen nichts. Wenn Maschinen, Kohlen, Rohstoffe, Arbeitslöhne um 10 Prozent sinken, ebenso aber auch die Preise des Endproduktes, so wird auch die Summe des Profits um 10 Prozent sinken, ihr Verhältnis zur Summe der Kapitalien, also die Profitrate, wird dasselbe bleiben. Eine Erhöhung der Profitrate in Folge des Sinkens des Wertes der im Produktionsprozess angewendeten Kapitalien tritt nur dann ein, wenn die Preise des fertigen Produktes nicht oder nicht in demselben Maße fallen.

Tugan hätte also diesen Faktor ganz außer Acht lassen können. Seine Rechnung wäre dadurch weniger kompliziert und durchsichtiger geworden. Aber freilich auch umso leichter die auf sie gebaute Beweisführung ad absurdum zu führen.

Aber alles das ist nur Vorgefecht, Vorbereitung zu dem Todesstoß, den Tugan der Marxschen Mehrwerttheorie versetzt. Seine bisher untersuchten Argumente sollten beweisen, dass dort, wo seine Voraussetzungen zutreffen, die Profitrate immer auf der gleichen Höhe bleibt. Aber seine Voraussetzungen seien, behauptet er, noch viel zu günstig für die Marxsche Theorie. In Wirklichkeit stehe es noch schlimmer um sie.

Die oben zitierten Ausführungen Tugans darüber sind nicht sehr glücklich gefasst und enthalten manchen Widersinn. Aber sie umhüllen ein ernsthaftes Problem, und wir wollen versuchen, es aus der krausen Darstellung des Verfassers herauszuschälen.

Es ist offenbar, der Kapitalist führt technische Verbesserungen nicht ein, um seine Profitrate zu erniedrigen, sondern um sie zu erhöhen. Er wird durch technische Änderungen sein konstantes Kapital nur dann vermehren, wenn er dadurch die Rate seines Profits vergrößert.

Sehen wir uns nochmals die Formeln I und II an. Nach der Formel I verausgabt der Kapitalist 100.000 Mark, um einen Profit von 100.000 Mark einzuheimsen. Nach der Formel II führt er Maschinen ein, um – zu demselben Resultat zu gelangen. Seine Kapitalausgabe und seine Profiteinnahme ändern sich nicht. Es wäre offenbar sinnlos, wollte er die Mühe und das Risiko der Anschaffung von Maschinen auf sich nehmen, wenn er dadurch ökonomisch nichts gewänne.

Nach der Formel II kosten die Maschinen ebenso viel, als die Löhne der durch sie überflüssig gemachten Arbeiter. Wir wissen aber schon aus dem ersten Bande des Kapital, dass die Einführung von Maschinen nur dann profitabel ist, wenn sie mehr Arbeit erspart, als sie kostet, oder vielmehr, wenn ihr Werth geringer als der Wert der von ihr ersetzten Arbeitskraft. Nach der Tuganschen Voraussetzung, die allerdings selten zutreffen dürfte, wird das ganze aufgewendete konstante Kapital im selben Jahre verbraucht, in dem es eingeführt wird. Die Preise der Maschinen müssen also geringer sein als die Summe der Jahreslöhne der durch sie ersetzten Arbeiter. Nehmen wir an, die letztere Summe betrage 50 000 Mark, so müssen wir die Kosten der Maschinerie geringer ansetzen. Wir wollen aber, wie es der Wirklichkeit eher entspricht, nicht annehmen, dass die Zahl der beschäftigten Arbeiter durch die Maschine verringert, sondern dass die Produktion durch diese ausgedehnt wird bei gleichbleibender Arbeiterzahl. Die Formel II würde dann etwa folgende Gestalt annehmen:

40.000 Mark Produktionsmittel,

100.000 Mark Arbeitslöhne,

400.000 Mark Gesamtprodukt,

260.000 Mark Mehrwert.

Rate des Mehrwerts 260 Prozent. Rate des Profits 185 Prozent.

Die Rate des Profits ist also allerdings in Folge der Einführung der Maschinen gestiegen.

Das scheint gegen Marx zu sprechen. Aber dieser Schein ist nur möglich, wenn man das Problem nicht weiterverfolgt, sondern bei seinen Anfängen stehen bleibt.

Die Profitrate ist erhöht, in Folge der Vermehrung des konstanten Kapitals; aber dies gilt nur, solange die betreffenden verbesserten Produktionsmittel Eigentum bloß des einzelnen Kapitalisten sind, das heißt, solange die Vermehrung der Produktivität der Arbeit keinen Einfluss übt auf den Preis des von ihm erzeugten Produktes, solange dieser derselbe bleibt, wie unter der früheren geringeren Produktivität der Arbeit. Solange bezieht der Kapitalist einen Extraprofit und daher eine erhöhte Profitrate.

Dieser Extraprofit lockt aber andere Kapitalisten an, die Verbesserungen in ihren Betrieben einzuführen; die Konkurrenz zwingt sie dazu, so sinken nach und nach die Preise der betreffenden Produkte, damit aber auch die Rate des Profits, bis schließlich dem vergrößerten Kapital nur noch dieselbe Menge von Werth und Mehrwert, also Profit, wie früher gegenübersteht, also die Profitrate gesunken ist.

Die Steigerung der Profitrate durch das Wachstum des konstanten Kapitals in einzelnen Unternehmungen ist also wohl eine notwendige Folge der letzteren Erscheinung, aber sie dauert nur so lange, als diese eine auf wenige Unternehmungen beschränkte Ausnahme bleibt, und hört auf, sobald dies Wachstum allgemein wird. Der Einzelkapitalist wäre sicher ein Narr, wenn er Kapital auslegen würde, um seine Profitrate zu verkürzen. Aber dies ist die schließliche notwendige Konsequenz seiner Neuerungen, eine Konsequenz, die sich ohne sein Zutun und gegen seinen Willen entwickelt.

Der Fehler Tugans besteht hier darin, dass er die Einzelerscheinung und den gesellschaftlichen Prozess nicht auseinanderhält, dass er die bewusste Handlung des einzelnen Kapitalisten zusammenwirft mit den unbewussten Konsequenzen seines Thuns für die Gesellschaft. Darum spottet er auch über die Marxsche Profittheorie:

„Die Maschinen – die mächtigste Waffe der Fabrikanten in ihrem Kampfe gegen die Arbeiterklasse – erscheinen nach dieser Theorie als gefährlichste Feinde der Kapitalisten selbst. Und bis dies Geheimnis in den Manuskripten von Marx entschleiert wurde, konnte kein Fabrikant darauf kommen, dass er, indem er die Arbeiter durch die Maschine ersetzt, zum Untergang seiner Klasse hinwirkt“ (S. 217).

Als ob sich die Fabrikanten der Konsequenzen ihres Thuns bewusst wären! Dass die Fabrikanten am Steigen der Profitrate interessiert sind und doch durch ihre Jagd nach technischen Verbesserungen die Profitrate senken, ist nicht mehr widersinnig, als die Tatsache, dass sie an hohen Preisen ihrer Waren interessiert sind und durch ihre technischen Verbesserungen am kräftigsten daran arbeiten, sie herabzudrücken; oder als die Tatsache, dass sie in höchstem Maße an der Ausdehnung des Konsums interessiert sind und alles aufbieten, die Löhne zu senken u. s. w. Wenn das, was die Fabrikanten anstreben, und das, was sie erzielen, identisch wäre, dann gäbe es keine Krisen und Tugan hätte sein Buch nicht zu schreiben gebraucht. In der Tat, wozu überhaupt eine ökonomische Wissenschaft, wenn uns das Fabrikantenbewußtsein bereits ein sicherer Führer durch ihre Tiefen ist!

Wie bei den früheren Einwänden Tugans, so finden wir auch hier, dass sie einen gewissen richtigen Kern haben, dass sie aber darin irren, dass sie sie als unbedingt und allgemein hinstellen, was nur bedingt und gelegentlich zutrifft. Was Tugan als ein Faktor erscheint, der das Gesetz der fallenden Profitrate in sein Gegenteil verdreht, ist nur eines der Momente, die den Fall der Profitrate unter Umständen hemmen können, denn die Erhöhung der Profitrate durch Einführung neuer Erfindungen ist nicht eine allgemeine und dauernde, sondern eine auf bestimmte Unternehmungen beschränkte, vorübergehende Erscheinung. Und was von den obigen Einwänden Tugans gilt, kann man auch von diesem sagen; auch ihn hat schon einige Jahrzehnte vorher Marx in seinem dritten Bande vorweggenommen. Es heißt da:

„Es könnte die Frage aufgeworfen werden, ob in den, den Fall der Profitrate hemmenden, ihn in letzter Instanz aber stets beschleunigenden Ursachen einbegriffen sind die temporären, aber sich stets wiederholenden, bald in diesem, bald in jenem Produktionszweig auftauchenden Erhöhungen des Mehrwerts über das allgemeine Niveau für den Kapitalisten, der Erfindungen u. s. w. benutzt, bevor sie verallgemeint sind. Diese Frage muss bejaht werden. (Karl Marx, Das Kapital, Band III, 1, S. 214.)

Wie sonst beim Revisionismus besteht auch hier sein anscheinender Fortschritt über Marx hinaus nicht darin, dass er Zusammenhänge entdeckt, die diesem verborgen blieben, sondern dass er die Bedeutung gelegentlicher, vorübergehender Hemmungen des allgemeinen von Marx entdeckten Gesetzes übertreibt und zu Widerlegungen des Gesetzes aufbauscht.

Nach alledem sehen wir also keinen Grund, Tugan zu folgen, und die Mehrwerttheorie über Bord zu werfen. Es war ein kühnes Wagnis, ihr vom Standpunkt der Marxschen Werththeorie zu Leibe zu gehen. Es war kühn, aber auch vergeblich. Die eine Theorie folgt aus der anderen mit eherner Notwendigkeit. Tugans gescheiterter Versuch liefert auf indirektem Wege einen neuen Beleg dazu.

Welches ist aber Tugans eigene Profittheorie?

Zunächst vernichtet er die Marxsche Profittheorie noch einmal auf anderem Wege – es fehlt uns der Raum, darauf einzugehen, es genügt, zu bemerken, dass hier Tugan zu seinem Beweis einfach dadurch kommt, dass er voraussetzt, was er beweisen will. Dann führt er aus, dass schon Marx bemerkt, eine Erhöhung der Profitrate sei nicht bloß durch ein Senken des Preises der Arbeitskraft, sondern auch durch Verringerung der Preise des konstanten Kapitals – Rohstoffe, Maschinen etc. – zu erreichen (S. 224) und fährt fort:

„Wie es scheint, hat Marx selbst die Tragweite seiner bezüglichen Anschauung nicht verstanden. Am Beispiel der Rohstoffverbilligung hat Marx eingesehen, dass in Bezug der Einwirkung auf die Profitrate das konstante Kapital sich vom variablen in keiner Hinsicht unterscheidet. Eine tiefere Analyse hätte aber Marx zeigen müssen, dass es auch in anderer Hinsicht, was die Profitrate betrifft, keinen Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital gibt. Die Produktionsmittel spielen im Produktionsprozess sowie in der Bildung der Profitrate gerade dieselbe Rolle wie die Arbeiter. Die Maschinen sind unter den modernen Wirtschaftsbedingungen durchaus den Arbeitern äquivalent: sie schaffen wie die Arbeiter Gebrauchswerte und wirken in gleichem Maße auf die Profitrate ein.“ (S. 225).“

„Der Kapitalismus verwandelt im wirtschaftlichen Verkehr den Menschen in ein einfaches Produktionsmittel, behandelt den Menschen als ein Thier oder ein unbeseeltes Ding. Das gilt ganz ebenso für die Schaffung des Profits wie für die Realisation des hergestellten Produkts .... Die Mehrwerttheorie von Marx behauptet, dass in Bezug auf die Entstehung des Profits ein fundamentaler Unterschied zwischen den Menschen und den Produktionsmitteln bestehe: der Profit sei nämlich die alleinige Schöpfung der aufgewandten menschlichen Arbeit, während die Produktionsmittel dabei keine aktive Rolle spielten. Unsere Analyse hat aber die Unhaltbarkeit der Marxschen Mehrwerttheorie gezeigt. Auch in Bezug auf die Schaffung des Profits sind die Menschen und die Produktionsmittel in der kapitalistischen Wirtschaft gleich“ (S. 229).

Dies die „tiefere Analyse“, die unser Revisionist der Oberflächlichkeit von Marx entgegengesetzt, der sich selbst nicht recht verstand.

Diese famose Analyse bringt folgende Kunststücke fertig: Sie geht aus von der Erkenntnis, dass die Rate des Profits berechnet wird durch das Verhältnis der Masse des jährlichen Profits zum gesamten aufgewandten Kapital, zum konstanten ebenso wie zum variablen, dass also jede Verminderung des konstanten, ebenso wie die des variablen Kapitals, die Profitrate erhöht. Die Profitrate wird mit unheimlicher Schnelligkeit dank „tieferer Analyse“ gleichgesetzt der Profitmasse und die Berechnung der Profitrate gleichgesetzt der Schaffung der Profitmasse; so kommt Tugan zu dem Schlusse, dass das konstante Kapital bei der Schaffung des Profits im Produktionsprozess dieselbe Rolle spielt, wie das variable, das heißt, wie die Arbeit.

Aber widerspricht das nicht der von Tugan selbst anerkannten Theorie des Arbeitswerts, dass alle Werte, also auch die Profite, nur durch Arbeit geschaffen werden?

Dieser Einwand wird durch ein zweites Kunststück eskimotiert: Die Maschinen, sagt er, schaffen ebenso Gebrauchswerte, wie die Arbeiter, die Kapitalisten aber, bar aller Menschlichkeit, bewerten die Gebrauchswerte, welche die Maschinen schaffen, ebenso hoch, wie die Gebrauchswerte, welche die Menschen schaffen; der Arbeiter gilt ihnen nur als Maschine. Je mehr Gebrauchswerte eine Maschine produziert, desto mehr Werte für ihren Besitzer. Es produzieren also nicht bloß die Arbeiter, sondern auch die Maschinen Profit, die Mehrwerttheorie ist abermals glänzend ad absurdum geführt.

Dies das zweite Kunststück Tugans. Er will nachweisen, dass auch das konstante Kapital Profit, das heißt Werth schafft, wie der Arbeiter, aber zu diesem Behuf wird plötzlich an Stelle des konstanten Kapitals ein neuer Begriff untergeschoben, die Maschine. Wohl gehört die Maschine zum konstanten Kapital, aber das konstante Kapital besteht bekanntlich nicht bloß aus Maschinen, sondern auch aus Rohstoffen und Hilfsstoffen. Jede Veränderung des Wertes der letzteren wirkt auch auf die Profitrate ein, ja Werthveränderungen der Rohstoffe beeinflussen, da sie öfter vorkommen, im Allgemeinen die Profitrate viel mehr als Werthveränderungen der Maschinen. Ist es also richtig, wie Tugan schließt, dass das konstante Kapital, das heißt die Produktionsmittel insgesamt, gerade dieselbe Rolle spielen, wie die Arbeiter, dann muss er uns zeigen, wie Rohstoffe und Hilfsstoffe „Gebrauchswerte schaffen“, er muss zeigen, wie Baumwolle Garn spinnt, oder wie Kohle und Schmieröl diese Leistung zu Stande bringen.

Von der Einwirkung der Rohstoffe auf die Profitrate ging Tugan aus. Im Laufe der Vertiefung seiner Analyse sinken sie unter den Tisch und an ihre Stelle tritt die Maschine. Aber von ihr gilt dasselbe wie vom Rohstoff, nur mit dem Unterschied, dass der Widersinn der „Schaffung von Gebrauchswerten“ durch das konstante Kapital hier weniger handgreiflich ist. Sollte die Tugansche „tiefere Analyse“ einen Sinn haben, dann müsste ein Theil der Gebrauchswerte, in denen sich der Profit verkörpert, von den Maschinen geschaffen werden, ein anderer von den Arbeitern. Das ist aber bekanntlich nicht der Fall. Will Tugan etwa behaupten, von 10.000 Pfund Garn seien 5.000 Pfund von den Maschinen produziert und 5.000 von den Arbeitern? Alle 10.000 sind von den Arbeitern mit Hilfe der Maschinen produziert. Es ist ganz unmöglich, den Antheil festzustellen, den der Arbeiter daran hat, und den Antheil der Maschine. Die Maschine kann nicht den geringsten Gebrauchswert ohne menschliche Arbeit schaffen, wie auch die menschliche Arbeit keinen Gebrauchswert – von ganz geringfügigen Ausnahmen abgesehen – schaffen kann ohne Produktionsmittel. Gebrauchswerte werden nur geschaffen durch Zusammenwirken von Arbeit und Produktionsmitteln; es ist eine der seltsamsten Verirrungen Tugans, zu vermeinen, dass die Produktionsmittel ebenso wie der Mensch Gebrauchswerte schaffen, dass beide nebeneinander dasselbe Geschäft verrichten, etwa wie nebeneinander ein Pflug mit Pferden bespannt und ein Dampfpflug die gleiche Arbeit besorgen. Diese Verirrung ist aber die Grundlage, auf der Tugan seine neue, durch „tiefere Analyse“ gewonnene Profittheorie aufs Unerschütterlichste begründet zu haben glaubt.

Wie oben hinter seinem vermeintlich stärksten Einwand gegen die Theorie der fallenden Profitrate, so lauert auch hinter seiner neuen Profittheorie dasselbe sonderbare Missverständnis, dass die Gewinnung von Extraprofit, den ein einzelner Kapitalist durch Einführung neuer Erfindungen in seinem besonderen Betrieb vorübergehend erzielen kann, mit der Schaffung des allgemeinen Profits der Kapitalistenklasse verwechselt.

Wenn ein einzelner Unternehmer durch eine Maschine in Stand gesetzt wird, mit denselben Arbeitern aus demselben Material 15.000 Stück – etwa Zentner Kupferdraht – statt wie bis dahin ohne Maschine 10.000 zu erzeugen, so wird dadurch die gesellschaftlich zur Herstellung seiner Waren erforderliche Arbeitszeit zunächst nicht geändert, also auch ihr Preis – ceteris paribus – nicht verringert. Der Preis der 5.000 Zentner, die er der Einführung seiner Maschine verdankt, bedeutet also für ihn einen Extraprofit, und von seinem Standpunkt und dem des Vulgärökonomen, der ja der seine ist, mag dann die Sache so aussehen, als seien die 5.000 Zentner Kupferdraht ausschließlich das Produkt seiner Maschine – die Maschine produziert für ihn ebenso Gebrauchswerte wie seine Arbeiter –, sie produziert 5.000 Zentner Kupferdraht und die Arbeiter 10.000. Der Wert dieser 5.000 Zentner ist reiner, anscheinend von der Maschine produzierter Profit.

Wird aber die neue Maschine allgemein eingeführt, dann sinken die Preise des Kupferdrahts so sehr, dass schließlich, wenn sich sonst nichts ändert, die 15000 Zentner nur um den Wert der bei ihrer Produktion verbrauchten Maschinerie mehr wert sind als ehedem die 10.000. Betrug der Wert der 10.000 Zentner ehedem 600.000 Mark und werden bei der Fabrikation der 15.000 Zentner nach dem neuen Verfahren etwa 75.000 Mark an Maschinerie mehr verbraucht, während der Aufwand an Rohstoff und menschlicher Arbeitskraft der gleiche bleibt (etwa 100.000 Mk. für Rohmaterial und 200.000 Mk. für Arbeitslohn), so wird der Wert des Zentners Kupferdraht von 60 Mark auf 45 herabgeben. Die 1.5000 Zentner werden nicht mehr 900000 Mark, wie Anfangs, sondern nur noch 675.000 einbringen. Der Profit wird wieder wie vor Einführung der verbesserten Fabrikationsmethode 300.000 Mark betragen, nachdem er vorübergehend auf 600.000 Mark gestiegen war. Aber die Profitmasse von 300.000 Mark, die zuerst auf ein Kapital von 300.000 Mark berechnet wurde, muss nun auf ein Kapital von 375.000 Mark berechnet werden, die Profitrate ist also von 100 auf 80 Prozent gesunken, nachdem sie eine Zeitlang 160 Prozent betragen. Jetzt wird mit Hilfe der Maschine zwar eine vermehrte Menge von Gebrauchswerten, nicht aber von Werthen produziert und auch der Anschein ist geschwunden, als ob die neue Maschine neue Werte und Profite produzierte. Es muss erst wieder eine neue, noch bessere Maschine kommen, damit das Spiel des Extraprofits und der anscheinenden Schaffung von Gebrauchswerten und Profiten durch die Maschine sich wiederholen kann.

Aber freilich, wer könnte von der „tieferen Analyse“ des Revisionismus verlangen, dass er diesen Zusammenhang durchschaut, über den uns Marx schon vor einem Menschenalter unterrichtete!

Tugan beginnt seine Untersuchung des Gesetzes der fallenden Profitrate mit den Worten:

„Jeder kapitalistische Unternehmer ist überzeugt, dass sein Profit ganz ebenso durch den konstanten, nach der Marxschen Terminologie, wie durch den variablen Teil seines Kapitals erzeugt wird. Der Kapitalist bemerkt keinen Unterschied in Bezug auf die Schaffung des Profits zwischen diesen beiden Bestandteilen des Kapitals. Der ‚Vulgärökonom‘ stimmt dem Kapitalisten bei ... Die Praktiker und die ‚Vulgärökonomen‘ haben darin, nach unserer Meinung, vollkommen recht.“ (S. 208)

Das ist das Fazit der „Revision“ und „Fortentwicklung“ der Marxschen Mehrwerttheorie durch einen der fähigsten und gründlichsten der Revisionisten! Zurück, zurück! ist das Ergebnis aller dieser Fortschritte über den „rückständigen“ Marxismus hinaus. Zurück auf eine schon vor ihm erreichte Stufe! In diesem Falle: Zurück auf die Vulgärökonomie!


Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026